Aus Sicht der IHK St.Gallen-Appenzell ist der prüfungsfreie Eintritt in die Mittelschule abzulehnen. Nach unseren Erfahrungen entwickelt sich nicht nur der Bildungsbereich, sondern auch die Arbeitswelt in die entgegengesetzte Richtung. Die Institutionen der tertiären Bildung zeichnen sich heute durch eine intensive Prüfungstätigkeit aus. Jugendliche auf Lehrstellensuche müssen sich zunehmend unternehmesinternen Prüfungen oder privat organisierten Selektionsverfahren wie dem Multichek stellen. So organisiert beispielsweise die Handelskammer beider Basel bereits heute im Auftrage der Wirtschaft Eignungstests für gewerbliche Berufe. Angesichts dieser Entwicklung erachten wir die Möglichkeit des prüfungsfreien Übertritts in die Mittelschule als nicht sinnvoll. Wir sind überzeugt, dass die Vorbereitung und das Bestehen einer finalen Prüfungssituation eine wichtige Lernerfahrung darstellt, die nicht bis zur Maturaprüfung aufgeschoben werden sollte. Weiter erscheint es uns als nicht wünschbar, dass sich künftige Lehrlinge aufwendigen Testverfahren stellen müssen, während die Mittelschule prüfungsfrei erreichbar ist. Hürden dürfen nicht zu Lasten des dualen Bildungssystems abgebaut werden.
Hingegegen scheint uns der Verzicht auf mündliche Prüfungen sinnvoll. Allerdings stellt sich die Frage, ob ab dem Jahre 2014 nicht auf die Prüfung im Fach Französisch verzichtet und diese durch das Fach Englisch ersetzt werden sollte. Wir sind uns bewusst, dass ein solches Vorgehen staatspolitisch nicht einfach zu begründen ist. Allerdings erscheint uns eine Gewichtung mit drei sprachlichen Fächern (Variante Einbezug Fach Englisch im Zuweisungsentscheid) und Mathematik als zu einseitig und im Widerspruch zu den Bedürfnissen nach einer stärkeren Förderung naturwissenschaftlicher Fähigkeiten. Der Eintritt in die Berufsfeldfächer Musik und Gestaltung und in das Schwerpunktfach Latein kann wie vorgeschlagen auf Grund einer Empfehlung der Lehrkräfte der Oberstufe erfolgen.
Ebenfalls unterstützt wird der Vorschlag, einheitliche Prüfungen für alle Abteilungen (Gymnasium, FMS, WMS, WMI) durchzuführen und die Differenzierung über unterschiedliche Anforderungen für das Bestehen vorzunehmen. Diese Vereinheitlichung gewinnt durch die Durchführung der Prüfungen für alle Abteilungen in der 2. Sekundarklasse an Bedeutung. Der Lehrstellenmarkt wird damit von Bewerbungen entlastet, die lediglich für den Fall einer nicht bestandenen Aufnahmeprüfung erfolgen.


